„Eine kleine philosophische Ausführung über Arbeit und Beschäftigte.“

Das Bild zeigt ein Graffiti mit einem Segelschiff und im Hintergrund ein Gebäude des alten Schlachthof

„Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.“
Georg Christoph Lichtenberg (Physiker, Mathematiker, Naturforscher) + 1799

Beschäftigte sind in der Regel abhängig arbeitende Menschen in einem Unternehmen. Sie gehen ein vertragliches Verhältnis mit einem Unternehmen ein und stellen ihre Arbeitskraft und ihr Fachwissen zur Verfügung. Im Gegensatz dazu erhalten sie eine Entlohnung.
Soweit so gut. Jemand erhält Geld und stellt dafür seine Arbeitsleistung zur Verfügung. So ist es vertraglich geregelt.
Das Leben wäre so einfach, wenn es so wäre, oder?
Die Erfahrung zeigt, dass es in den meisten Fällen so ist!
Eine solche Aussage für blauäugig zu halten, ist legitim. Es gibt zahlreiche Argumente dafür. Jeder kennt doch diese Beschäftigten, die dieser Idealvorstellung nicht entsprechen. Ist es die Mehrheit?
Ich bin überzeugt davon, dass die Spezies Mensch, also wir, nur überlebt haben, weil wir uns an so unterschiedliche Lebenswelten anpassen konnten und weil wir von Grund auf fleißig, neugierig und innovativ sind.
Wären wir das nicht, wären wir längst ausgestorben und Geschichte.
Über eine Million Jahre lebten wir in und mit der Natur und wir entwickelten uns in dieser Zeit zum modernen Menschen. Wir waren Teil des großen Ganzen. Erst dann begannen wir sesshaft zu werden und es entwickelten sich daraus neue Aufgabenteilungen und Herausforderungen. Dies begann vor ca. zehntausend Jahren durch das erstmalige Aufkommen erzeugender/produzierender Wirtschaftsweisen wie Ackerbau, Pflanzenbau, Viehzucht und Tierproduktion und der Vorratshaltung.
Nicht jeder konnte alles gleich gut und somit entwickelten sich bald unterschiedlichste Tätigkeiten, die das Leben der Gemeinschaft sicherstellten und ein leichteres Leben als das als Jäger und Sammler ermöglichten. Die Sesshaftigkeit wurde zum Erfolgsmodell. Sie machte uns zu dem, was wir heute sind. Ein intelligentes und anpassungsfähiges Wesen mit einem Wertesystem das in sozialen Systemen zusammenlebt.
Nach und nach wurden die Ansiedlungen größer, es entstanden Dörfer und Städte, in denen verschiedene Berufe gebraucht und ausgeübt wurden. Es begann ein reger Handel zwischen den verschiedenen Gemeinschaften und über diese hinaus.
Bei manchen Handelswaren war die Nachfrage größer als diese, die zur Verfügung standen.
Aus diesem Bedarf heraus entstand die industrielle Fertigung von Waren.
Ob Buchdruck oder Webstuhl, mit der Entwicklung von Maschinen, die Produkte einfacher, schneller und in größerer Menge, bei geringeren Produktionskosten herstellen konnten, entwickelte sich die Industrialisierung.
Nach der Mechanisierung kam die Elektrifizierung. Aufgrund zahlreicher Unfälle und gesundheitlicher Beeinträchtigungen wurden die Sicherheitsstandards und die arbeitsmedizinische Betreuung gesetzlich in den Unternehmen verankert und die Arbeit wurde sicherer und wegen des geringeren Arbeitsausfalls auch produktiver.
Als nächster Schritt folgte die Automatisierung durch speicher- und programmierbare Maschinen.
Damit ging die Humanisierung der Arbeit einher und viele sinnhafte Verbesserungen wurden gesetzlich oder tariflich geregelt: die Fünftagewoche, der Achtstundentag, der Mutterschutz, der Anspruch auf Teilzeit und vieles mehr.
Wir wurden damit ein reiches und wohlhabendes Land. Diese Entwicklung war nur möglich, weil die Beschäftigten in den Unternehmen ihre Arbeitskraft und ihr Fachwissen einbrachten und gleichzeitig mutige Unternehmer ihre Visionen mit allen Risiken umsetzten und Verantwortung für ihre Beschäftigten und die Gesellschaft übernahmen.
In den letzten zwanzig Jahren des letzten Jahrtausends drehte man die Schraube der Humanisierung zurück und die Globalisierung durchdrang fast alle Arbeitsbereiche. Es entstand ein gewollter globaler Wettbewerb mit den damit verbundenen Kosten- und Leistungsdruck auf die Unternehmen und die Belegschaft. Sinkende Löhne und eine Arbeitsverdichtung waren die Konsequenzen für die Beschäftigten.
Das Zeitalter des „schneller, höher und weiter“ und einer „Geiz ist geil“ Mentalität setzte eine unglaubliche Effizienzspirale in Gang, die Unternehmen und Beschäftigte stark forderte und vielfach überforderte.
Es steigerte sich diese Spirale mit fortschreitender Digitalisierung weiter. Auf die Geschwindigkeit waren jedoch Unternehmen und Beschäftigte nicht vorbereitet. Arbeit und Privates verschmolz immer mehr durch den Einsatz moderner und besserer Kommunikationsmittel und prekäre Arbeitsverhältnisse in Leiharbeit oder als Subunternehmer wurden gesellschaftlich akzeptiert und politisch gewünscht.
Viele Unternehmen blendeten jedoch einen wichtigen Faktor aus. Den statistisch prognostizierten und vorhersehbaren Fachkräftemangel. Dieser legte sich, wie vorhergesagt, über die Unternehmen, Behörden oder Einrichtungen. Selbst gering qualifizierte Beschäftigte sind nur noch schwer zu bekommen und wandern bei einer attraktiveren Entlohnung sofort in ein attraktiveres Unternehmen weiter.
Unsere Herausforderung ist es jetzt umzudenken.
Was wir schaffen müssen, ist wieder ein anderes Verständnis von Arbeit zu entwickeln. Arbeitsfähigkeit und Wissen der Belegschaft sind unser wertvollstes Gut und nur begrenzt vorhanden. Den verbliebenen Beschäftigten muss eine Wertschätzung entgegengebracht werden, der Sinn in ihrem beruflichen Tun muss erkennbar sein, ihre Leistungen müssen honoriert werden und ihre Arbeit soll sie herausfordern, aber nicht überfordern
Die Ressource „Beschäftigter“ muss sich in attraktiven Arbeitsbedingungen in einem gesunden betrieblichen Umfeld wiederfinden.
Unternehmen, die dies als Agenda haben, werden mit ihren Beschäftigten die Herausforderungen meistern – die anderen werden aussterben.
Ein systematisches Gesundheitsmanagement unterstützt die Unternehmen dabei diese Aufgabe zu meistern.

Im nächsten Beitrag geht es um das „Krisenmanagement im BGM“.